Eine kleine Badegeschichte

Baden in Gemeinschaft hat eine uralte Tradition. Sie wird seit Jahrtausenden in Asien praktiziert und reicht in unseren Breitengraden bis zu den frühen Anwendungen von Warmwasserquellen in der Antike zurück.
Die Griechen des Altertums machten sich in Ihren Bädern natürliche heiße Quellen zunutze und von den Römern weiß man, dass diese in Verbindung mit ihren heißen Bädern den Körper mit metallenen „Striegeln“ bearbeiteten, um die Durchblutung zu fördern.

Im Mittelalter brachten die Kreuzfahrer die Badekultur der islamischen Welt mit nach Europa; zahlreiche Badehäuser entstanden und trotz offizieller Geschlechtertrennung verbrachten Männer und Frauen reichlich Zeit in großen Kübeln und Dampfräumen. Ein jähes Ende wurde diesem vergnüglichen Treiben durch die Entdeckung der Syphilis von spanischen Söldnern bereitet, die diese Krankheit aus Südamerika nach Europa eingeschleppt hatten. Viele Badehäuser wurden geschlossen; im Hochmittelalter eröffneten die sogenannten Kurhäuser.

Hier wurde zunächst unter strenger klösterlicher Aufsicht und nach geregelten Abläufen gebadet. Dabei wurde baden in erster Linie aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen empfohlen.
Doch im Zeitalter der Renaissance verflog auch bald der Unterschied zu den berühmt berüchtigten Badehäusern, wie ein Zeitgenosse berichtet:

„In der Morgenfrühe waren die Bäder am beliebtesten. Wer nicht selbst badete, stattete seinen Bekannten Besuche ab. Von den Galerien herab konnte man mit ihnen sprechen und sie an schwimmenden Tischen essen und speisen sehen. Schöne Mädchen baten um 'Almosen', und warf man ihnen Münzen hinab, so breiteten sie die Gewänder aus, die Münzen aufzufangen und dabei ihre Reize zu enthüllen. Blumen schmückten die Oberfläche des Wassers, und oft hallten die Gewölbe wider vom Saitenspiel und Gesang. Mittags an der Tafel ging nach gestilltem Hunger der Becher solange um, wie der Magen den Wein vertrug, oder bis die Pauken und Pfeifen zum Tanze riefen.“

Der Gesundheitsaspekt war ein wichtiger Aspekt bei der Entstehung wichtiger Kurorte im 18. Jahrhundert. Gekurt wurde damals nach dem Motto „viel hilft viel“. Die Patienten saßen täglich etwa zehn bis zwölf Stunden im Bad, meist in einem Zuber oder einem so genannten Badekasten – bis die Haut wund war und zu eitern begann. Diese Wirkung, Hautfresser oder Beize genannt, war durchaus erwünscht, denn man glaubte, dass das heilende Wasser nur durch die „offene Haut“ richtig in den Körper eindringen könne.

Nachdem sich die Badekultur mehr und mehr in die Privatsphäre zurückzog - und nur noch die arme Bevölkerung auf die Nutzung öffentlicher Badeanstalten angewiesen war - wurde Anfang des 20. Jahrhunderts wieder das Interesse der Öffentlichkeit an einer gemeinsamen Badekultur geweckt. In Hollywood wurden Swimmingpools für den Garten gebaut. Für die ersten Hot Tubs (zu deutsch: heiße Wannen) wurden große Weinfässer in der Mitte zersägt. Später baute man diese Konstruktion nach. Bis heute kann man in den USA noch solche Hot Tubs - aus Holzlatten mit den entsprechenden Spanneisen - erwerben. 1956 entwickelten in den USA die Brüder Jacuzzi, italienische Einwanderer, eine portable Hydrotherapie-Pumpe für medizinische Zwecke und waren damit Wegbereiter für die heutigen Whirlpools.

Ob Whirlpool, Hottup oder große Wanne; eines gemeinsam ist allen neueren Erfindungen der Badekultur: Baden soll wieder Spass machen, unkompliziert sein und wird wieder gerne in der Gruppe genossen. An freier Luft zu baden gilt dabei als Highlight.


Links:
>> Mehr zum Thema Badekultur auf Wikipedia
>> Tipps zum richtigen Baden
>> Baderezepte zum Ausprobieren